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info:
Driving Fast and Hitting Wildschweine:
Gert-Jan Prins auf Sieben
Der holländische Improvisator Gert-Jan Prins spielte zum ersten
im April 1998 in Köln mit dem Pianisten Misha Mengelberg und dem
Saxofonisten Mats
Gustafsson. Prins erwies sich innerhalb dieser Supergroup of Improv
als feinnerviger, umsichtig agierender Spieler. Auf einem reduzierten
Percussionst deutete er freie Rhythmen bloß an und auf simpelste
Art und Weise triggerte er die akustischen Signale seiner Mitspieler
und schleuste sie durch seine umgebauten Radiogeräte.
Die rein elektronsichen Aufnahmen für Sieben, nur ein gutes Jahr
später aufgenommen, könnten nicht unterschiedlicher sein. Sie
sind direkt, auf den Punkt, lassen wenig Raum, knattern unbarmherzig.
Was ist passiert? Eigentlich nicht viel: immer noch ist Gert-Jan
Prins in erster Linie Improvisator, der zum Beispiel mit Lee Ranaldo,
Fred Van Hove, Peter Van Bergen, Thomas Lehn, Luc Houtkamp und
dem Allstar-Ensemble MIMEO (u.a. mit Keith Rowe, Christian Fennesz,
Marcus Schmickler etc.) auftritt, also mit ausgewiesenen Spitzenkräften
des Genres. Er verzichtet in seinen Performances mittlerweile
vollkommen auf das Schlagzeug, konzentriert sich also ganz auf
seine Electronics - aber sein Denken, seine Spielhaltung ist vom
Perkussiven geprägt (Prins ist in die Schule des FreeJazz Hools
Han Bennink gegangen - wenn das keine Referenz ist!). So muss
man also auch diese Aufnahme, wenn man so will: seine erste Techno-Maxi,
in den kontinuierlichen Strom der Improvisierten Musik aus unterschiedlichen
Erfahrungen, unterschiedlichen Gruppen, wechselnden Vorlieben
und Einflüssen einordnen, die sich dann -im Moment der Aufnahme
oder des Konzertes- zu einem konkreten, einmaligen Ausdruck formen.
Im Klartext: diese Platte klingt so wie sie ist - die nächste
wird schon wieder ganz anders sein!
Gert-Jan Prins arbeitet mit selbst entwickelten elektronischen
Musikinstrumenten. Das hört sich geheimnisvoll an - ist aber überraschend
simpel: er benutzt Fernseher und Radiogeräte, deren Frequenzsignale,
um es eher unpräzise auszudrücken, er in akustische umwandelt
und dann moduliert.
Sein Ausgangspunkt ist eine im Prinzip endlose Kette aus pulsierenden,
knackigen, körnigen Geräuschen, die er im Verlauf seiner Improvisationen
schichtet, gegeneinander verschiebt, filtert, dehnt und zusammenstaucht.
Wie gesagt: im Prinzip alles ganz einfach. Aber vollkommen eigenständig
und unabhängig: weder tappen seine Aufnahmen in die Fallen klassischer
Improv-Klischees noch kann man Prins so ohne weiteres in die Staalplaat-,
Postindustrial-, Freestyle-Electronica-Ecke stellen. Das Faszinierende
an seiner Musik ist ihre Dynamik aus (technischer, instrumenteller
und klangfarblicher) Beschränkung und die Anstrengung, NUR mit
dieser Beschränkung zu operieren und aus ihr heraus lange, straff
gespannte Bögen zu entwickeln. Das lässt die Musik so kompromisslos
erklingen, macht aber auch ihren Charme aus.
Seine Aufnahme für Sieben, erst seine zweite Soloveröffentlichung
(1998 erschien eine konzeptionelle, auf komponierten Parametern
basierende CD auf seinem eigenen Label), macht diese Dynamik und
ihre Vermittlung mit der Kontinuität der Improvisation auf komprimierte
Weise deutlich.
Das schönste Bild für seine Kunst der rohen Kräfte lieferte Prins
selber, als er kürzlich auf dem Weg von Köln nach Amsterdam bei
überhöhter Geschwindigkeit beinahe mit einem Wildschwein zusammenstieß.
Ein großartiges Schauspiel: denn eine tatsächliche Konfrontation
von Wildschein und Auto wäre wohl für alle Beteiligten final gewesen.
Tier und Fahrer haben sich aber mit größtmöglicher Eleganz aus
der Affäre gezogen. Das passt ziemlich gut zu dieser Musik, die
zwar schnaufend rumpelt, deren Wendigkeit und Reaktionsschnelligkeit
man aber nicht unterschätzen sollte.
Felix Klopotek |
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press:
de:bug
Gert Jan Prins - Sub 8/7 (Sieben/4)
Der Amsterdammer Gert Jan Prins veröffentlicht auf dem A-Musik
Label Sieben hier zwei, drücken wir es mal freundlich aus, experimentelle
Stücke. Auf der A-Seite ein uferloses brennend vertracktes Kratzen
mit kurzen Sinusbreaks und bis an die Grenze des Hörbaren runtergeschraubten
Basswellen, die in ungefähr den Soundtrack abliefern könnten,
falls man mal irgendwann eine Hollywoodproduktion unter dem Titel
"Modems at War" geniessen darf. Strukturell hält sich das ganze
in einer lockeren Funkyness der Linearität eigentlich ganz gut,
man lauscht auf gelegentliche Flippersounds, dem Zerhacken der
Basis jeder Melodiösität und fliegt wie im Sturzflug auf eine
Welt über- und unterdrehender Festplatten in glücklicher Agonie
zu. Die etwas zugänglichere knisterige B-Seite verzichtet
weitestgehend auf die Zwischenräume des Akustischen Spektrums
und rast oben mit fluffig stolpernden akustischen Crispys, während
sie unten in einem Zirkel aus Kurzschlüssen im etwas verkürzten
3/4tel Takt bläst. Extreme Grossraumbüromusik für Freunde vorlauter
Netzwerke. Sympathisch, kryptisch, rasant. bleed ****
vital weekly week 6, number 212
GJ PRINS - SUB 8/9 (12" by Sieben)
E-RAX - LIVE AT THE BIMHUIS (CD by X-or)
And so you see particular names everywhere... names like Thomas
Lehn (whom we featured before in the last weeks) and Gert-Jan
Prins, who is never tired of mailing us his concert info. Prins'
background is in (free-) jazz and rock, so playing concerts is
for him like breathing. Countless are the duets and group improvisations
they are involved in. Here they team up with a Dutch guy, Peter
van Bergen, who plays a curiously called instruments Electronic
Wind Controller, my imagination goes wild here. Lehn is of course
at the analogue synth and former percussionist Prins at electronics
and radio. Much of this music consist of three seperate layers:
crackles (Prins), synth bleeps (Lehn) and percussive sounds of
some kind (I pressume played by Van Bergen). Quite a noisy outing,
which might have upset the crowd at the Bim huis, who are not
really known to be lovers of free electronic music. This more
in the Mego areas of laptopimpov, but then less the laptop. Nevertheless
a fascination journey in sound. And when said noisy, it's not
as noisy as Prins' solo 12" which is released on A-Musik Sieben
imprint, home of the noise workers that inspire noise DJ's. It
seems as though Prins takes the piss out of some DJ's, as it appears
to be that he uses skipping vinyl to produce side A. Despite the
noise there is even a groove to be noted down there, but noise
rules here. However, the B-side is much more my thing: highly
rhythmic, highly noisy and sounds like train that refuses to take
off. A noisy variation to Pan Sonic, Goem or Ikeda. Great side
b, mediocre side A. (FdW)
bad alchemy #35 2/2000
Gert-Jan Prins ist an sich eine renommierte Stütze der niederländischen
Improvising-Szene, ein Perkussionist aus dem Han Bennink-Stall,
der sein Electronic-Drumset, mit dem er mit Leuten wie Mengelberg,
Gustafsson, Houtkamp oder van Hove Ad-Hoc-Musik machte, gegen
ein nur noch elektronisches Equipment eingetauscht hat, um seinen
rhythmischen Ausdruck zu verfeinern. Auf "sub 8/9" (sieben 7.4-45,
12"EP) konstruiert er -mit ganz viel Fingerspitzengefühl, wie
man bei seinem konzentrierten Auftritt am 20.11.1999 in der Würzburger
"Galerie Nulldrei" mit Spannung verfolgen konnte - reduzierte
Geräuschzonen ausschließlich aus Prasseln und Knacksen, Ticken
und Pochen, Schleifen und Rauschen (wie von elektrostatischen
Störungen oder Kratzern im Vinyl), aber mit einem sorgfältig,
quasi emotionslos-nüchternen Puls, wie geboren für Vinyl.
angbase
review & interview & soundsamples |